SPD-Trutzburg Eschweiler fällt - Jubel bei der CDU-Eschweiler

CDU-Eschweiler feiert ihren Wahlerfolg
CDU-Eschweiler feiert ihren Wahlerfolg

Jubel bei der CDU, lange Gesichter bei der SPD und der FDP. Christdemokraten sehen sich vor der Kommunalwahl im Aufwind.

 

Gestern, kurz vor 20 Uhr kam Jubel im Eschweiler Rathaus auf. Nicht etwa aus dem Fraktionszimmer der SPD, nein, gegenüber, dort wo die indestädtische CDU die Bundestagswahl an einer Leinwand verfolgte. Im Sog von Angela Merkel erreichten auch die Eschweiler Christdemokraten ein Ergebnis, auf das sie viele Jahre warten mussten. 42,25 Prozent der Erststimmen und 38,58 Prozent der Zweitstimmen bedeuteten den Fall der SPD-Trutzburg Eschweiler. Die Union erhielt 446 Stimmen mehr als die Sozialdemokraten. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende, Willi Bündgens, rief seinen Parteifreunden lauthals zu: „Wir können nun optimistisch in die Kommunalwahl in acht Monaten gehen, wir haben ein starkes Team!“

  

(Text und Bild: Eschweiler Zeitung)

Die Genossen ließen sich etwas mehr Zeit, die Zahlen zu beurteilen. Kurz vor Neun, also etwa eine Stunde später, traten Fraktionschef Leo Gehlen und der Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling vor die SPD-Anhänger. „Ohne Wenn und Aber, wir können nicht zufrieden sein“, urteilte Kämmerling. Allerdings schränkte er ein, dass man in Eschweiler immer noch 16 Prozent über der Bundespartei liege. Und auch einen Seitenhieb zur FDP konnte er sich nicht verkneifen: „Ich registriere mit einer gewissen Genugtuung, dass der Turbokapitalismus abgestraft worden ist.“

 

Der eindeutige Verlierer war gestern in Eschweiler die FDP. Entsprechend gedrückt war die Stimmung im Fraktionszimmer der Liberalen. 2,19 Prozent (minus 5,88 Prozent) der Erststimmen und 4,44 Prozent (minus 9,45) der Zweitstimmen lassen wenig Spielraum für Interpretationen. Der Fraktionsvorsitzende Ulrich Göbbels fasste die blau-gelbe Gefühlswelt mit den Worten zusammen: „Ich bin seit 40 Jahren Mitglied der FDP, eine solche Niederlage habe ich noch nicht erlebt.“ Kleiner Wermutstropfen in Eschweiler: Man liegt in etwa gleichauf mit den Grünen, die letztlich auf 1358 Zweitstimmen oder 4,69 Prozent kamen.

 

Grünen-Fraktionschef Franz-Dieter Pieta gab nach den Ergebnissen zu: „Ich bin enttäuscht!“ Die Programminhalte seiner Partei seien in den vergangenen Wochen nicht bei den Wählern angekommen. Pieta bemängelte, dass es im Wahlkampf mittlerweile häufig nicht mehr um Inhalte gehe. Damit war er derselben Meinung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Leo Gehlen wieder, der von einer Amerikanisierung des Wahlkampfs sprach.

 

Wer gestern allerdings einen großen Andrang im Rathaus erwartet hat, der wurde enttäuscht. Das Team des technischen Services im Rathaus projizierte die Ergebnisse der 30 Wahlbezirke, fünf für Briefwähler, auf die Leinwand im Ratssaal. Allerdings blieben Claudia Behr-Streußer, Frank Clermont, Stephan Klein und Herbert Töll zeitweise unter sich. „Ich denke, dass das Interesse bei den Kommunalwahlen wachsen wird“, ist Töll überzeugt. Dann könne nicht jeder Bürger zuhause den Wahlverlauf am Fernsehbildschirm verfolgen, meint er.

 

Auch an der Wahlurne war das Interesse nach wie vor gering: Nur 69,62 Prozent der stimmberechtigten 42 204 Eschweiler Bürger gingen letztlich zur Wahl. Darüber kann auch das Plus von 2,43 Prozent nicht hinwegtäuschen: Es ist die zweitschlechteste Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen in Eschweiler. 12 823 Menschen blieben lieber zuhause.

 

Und die Senkrechtstarter von der AfD? Auch sie feierten einen fulminanten Einstand mit 1061 Stimmen oder 3,67 Prozent der Zweitstimmen. Damit stellt die AfD die ebenfalls stark eingeschätzten Piraten mit 660 Stimmen oder 2,28 Prozent deutlich in den Schatten. Dies ist umso erstaunlicher, weil die AfD in Eschweiler keinen aktiven Wahlkampf betrieben hat und auch über keinen Direktkandidaten verfügt.

 

Auch die Parteien aus dem rechten Lager bekommen weiterhin einige Stimmen in Eschweiler: Diesmal kreuzten 507 Indestädter auf dem Stimmzettel eine rechtsextreme Organisation an. Die stärkste Partei darunter: die NPD mit 312 Stimmen. Vor vier Jahren entschieden sich noch 450 Eschweiler dafür, eine rechtsextreme Partei zu wählen.

 

Die ersten Hochrechnungen verfolgte Wahlleiter und Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) aus seinem Amtszimmer. Dort verfolgte er mit seiner Frau Hedi, Rechtsreferent Dieter Kamp, dem Technischen Beigeordneten Hermann Gödde und Stephan Kaever erst das Geschehen in Berlin, ehe er sich unter seine Eschweiler Parteigenossen mischte. Die Niederlage seiner Partei in der SPD-Hochburg wird ihm nicht gefallen haben.

 

(Text und Bild: Eschweiler Zeitung)

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